Grundsätzlich wird bei der Teeernte nach dem Prinzip „Two leaves and a bud“ geerntet. Das bedeutet, dass ausschließlich die Blattknospe und die beiden darauffolgenden Blätter geerntet werden. Würde man weitere, ältere Blätter ernten, so wirkt sich das negativ auf den Geschmack aus. Tatsächlich wird heute weiterhin Tee größtenteils von (weiblicher) Hand geerntet. Maschinen wären schlicht zu unpräzise.

Tee wird in vielen Regionen der Welt angebaut, größter Teeproduzent ist China mit ca. 46 % Weltmarktanteil, gefolgt von Indien mit 21 % und Kenia mit 9 %.

Tee wird in vielen Ländern hergestellt. Die bekanntesten Qualitäten kommen aus Indien, China, Japan, Taiwan (auch bekannt als Formosa) und Sri Lanka (Ceylon). Mit mehr als 2.500.000 Tonnen ist China der mit Abstand größte Tee-Produzent weltweit. Unlängst sind auch afrikanische Staaten wie Ruanda in die Branche der Teeproduktion eingestiegen – und das mit großem Erfolg.

Je höher die Anbauebene des Tees ist, desto hochwertiger ist ein Tee. Das liegt daran, dass die Teepflanze in höheren Regionen nicht so schnell wächst und daher einen intensiveren Geschmack bildet.

Indien

Ca. 1850 wurden Teepflanzen in Indien erstmals von den Briten kultiviert und die Camellia Assamica-Pflanze als Wildwuchs entdeckt. Damit ist Indien in der Tee-Welt quasi ein junger Hüpfer.

Indien ist bekannt für Darjeeling, ein Tee-Anbaugebiet im Norden des Landes. Die Klimabedingungen in Darjeeling schwanken über das Jahr hinweg vor allem aufgrund des Monsunregens so stark, dass der Zeitpunkt der Pflückung hier große Auswirkungen auf den Geschmack und das Aussehen des Tees haben. Man unterscheidet daher in:

PeriodeZeitpunktCharakteristika
First Flush (f.f.)auch: FlugteeAnfang März bis Anfang MaiHelle Tasse bei fein-frischem Geschmack
InbetweenMai bis JuniVollmundiger Geschmack, Ausläufer des f.f.
Second Flush (s.f.)Juni bis zum ersten Monsun im JuliHelle Tasse bei intensivem Geschmack, grüne Einwürfe
Monsun-TeeMonsunzeit (ca. August)Sanfter Geschmack, solide KonsumqualitätWächst schneller und ist daher günstiger
AutumnalSeptember bis zum Ende der Saison im NovemberRote Tasse mit aromatisch-mildem Geschmack

Der First Flush bzw. Flugtee ist die erste Ernte im Jahr in Darjeeling und besonders wegen des blumig-milden Geschmacks begehrt. Diese Ernte heißt Flugtee, weil diese Charge per Luftfracht exportiert wird.

Indien ist außerdem für Assam bekannt. Assam ist eine Anbauregion im Nordosten Indiens und etwa so groß wie Bayern. Es ist das größte zusammenhängende Tee-Anbaugebiet der Welt und produziert hauptsächlich schwarze Tees. Assamtees sind sehr beliebt bei Schwarztee-Einsteigern, da diese mit Zucker und Milch oder Sahne einen leichten Geschmack haben. Assam-Tees sind Basis eines jeden Ostfriesentees. Apropos: Ostfriesen trinken 300 Liter Tee pro Kopf und Jahr und sind damit Weltmeister in Sachen Teekonsum. Getrunken wird der Ostfriesentee stilecht mit Kandis und Sahne.

Sri Lanka (Ceylon)

Bis 1972 hieß Sri Lanka noch Ceylon. Da die Tee-Welt durchaus als konservativ bezeichnet werden kann, ist Ceylon noch immer ein gängiger Name. Bekannte Anbaugebiete sind Uva im Osten Sri Lankas, Nuwara Eliya und Kandy im Süden und Dimbula im Westen. Die Teepflanzen sind teils bis zu 100 Jahre alt und die Pflückungen gelten als sehr hochwertig.

Tees aus Ceylon können ganzjährig geerntet werden. Der Geschmack des Tees wird maßgeblich durch das Wetter bestimmt.

Ceylon-Tees sind in der Regel rot-bräunlich und haben wenig Einwürfe. Auch Tips sucht man in der Regel vergebens. Geschmacklich sind Ceylon-Tees zitrusartig-malzig, metallisch und wirken adstringierend.

Japan

In dem Land mit der zweitlängsten Tee-Tradition wird nahezu ausschließlich grüner Tee produziert. Mehr als 95 % der produzierten Tees bleiben in Japan, aufgrund des hohen Konsums wird in Japan Tee aus anderen Anbauregionen sogar in großem Stil importiert, um den Bedarf zu decken. Die exportierten Qualitäten sind daher sehr rar.

Typisch für Japan ist die Unterbrechung des Oxidationsprozesses durch Panfiring, da Röstaromen (Umami) in Japan sehr beliebt sind. Der Inbegriff von Röstaromen stellt der Genmaicha dar, eine Sencha/Bancha-Basis mit teils gepoppten Reiskörnern. Wichtige Anbaugebiete in Japan sind Shizuoka, Uji und Kagoshima.

Ebenfalls weltbekannt ist der japanische Gyokuro: ein mehrere Wochen lang beschatteter Grüntee mit unverwechselbarem grasig-intensivem Geschmack. Durch die Beschattung wächst die Teepflanze langsamer (wir erinnern uns: langsameres Wachstum = höhere Qualität) und bildet mehr Chlorophyll. Dadurch entsteht eine starke, grüne Färbung. Gyokuros sollten noch kälter als typische Grüntees aufgegossen werden (ca. 60°).

China

Man sagt, der Ursprung des Tees liegt in der Provinz Yunnan in China. Tatsache ist aber, dass China Exportweltmeister in Sachen Tee ist. China ist für grüne und schwarze Teesorten wie Gunpowder, Lapsang Souchong oder Pai Mu Tan bekannt. Wichtigste Anbaugebiete sind Fujian, Zhejiang sowie Anhui und Yunnan. Chinesische Tees kommen selten unter dem Namen der Teegärten in den Handel, sondern tragen stattdessen Fantasienamen. Marketing können sie, die Chinesen!

Taiwan (Formosa)

Auch Taiwan hatte bis 1885 einen anderen Namen: Formosa. Und wie könnte es anders sein: In der Welt des Tees ist auch dieser Name geblieben. Formosa bedeutet übersetzt übrigens „Wunderschöne Insel“. Taiwan ist vor allem für grüne Tees und Oolongs bekannt, typische Anbauregionen sind Nantou und Lugu.